Erfahrungsbericht Mitterlehner-Fitnesstraining in Ried i.I.

Abstract (Kurz-Fazit):

Aufgrund des High Intensity Training-Prinzips ein äußerst effektives Fitnesstraining bei imponierend geringem Zeitaufwand. Für alle Alterstufen uneingeschränkt zu empfehlen, jeder kann dort abgeholt werden, wo er in seiner körperlichen Leistungsfähigkeit steht, und zu höherer Leistung hingeführt werden. Die Schwachstellen des Muskelbewegungsapparates können gekräftigt werden, ohne Binde- und Stützgewebe oder die Gelenke zu überlasten. Wohltuend ruhige und konzentrierte Atmosphäre, ohne Ablenkungen.  http://www.mitterlehner-training.com

Warum Mitterlehner?

Eigentlich fällt mir Gerätetraining unheimlich schwer, weil es so monoton ist. Zudem kostet ein Trainingszyklus mit 4 Serien á 20 Wiederholungen an 10 Geräten viel  Zeit, die ich nicht so üppig habe.

Als eine Patientin mich bat, sie beim Training zu begleiten, um zu sehen, welche Übungen sie nach ihren schweren Unfallverletzungen überhaupt ausführen kann, fragten wir erst bei Mitterlehner an, ob er das genehmigen würde. Tat er, und noch besser, einer der Trainer ging mit uns zusammen das ganze Programm durch. Ein professionelles Coaching, jeder bringt sein Wissen ein, um gemeinsam für den Kunden das bestmögliche Training zu planen. Dafür noch mal vielen Dank an Trainer Andi.

Rahmen:

Auch im Hochsommer sehr gut klimatisierter, weitläufiger Trainingsraum. Die Geräte stehen nicht dicht an dicht, sondern lassen großzügig Platz. Die Atmosphäre ist ruhig und konzentriert, was an der Abwesenheit von Lärm liegt. Es läuft keine Hintergrundmusik, die Trainierenden unterhalten sich nicht laut, selbst das sonst so lästige Aufeinanderknallen der Gewichtsscheiben ist nur sehr selten und sehr dezent zu vernehmen. Wie überhaupt das Mitterlehner-Konzept auf das ganze Brimbamborium mit Sauna, Solarien, Bar mit Eiweißdrinks, etc. verzichtet. Es geht, beinahe meditativ, nur um das Training.

Zum HIT-Trainingsprinzip:

Eine kurze, aber maximale Belastung der Körperstrukturen, hauptsächlich der Muskeln, bis zur kompletten Erschöpfung. Dann ist Schluß, und der Körper erhält Zeit, um sich zu erholen. Dabei regeneriert er sich aber nicht nur bis zu seiner Ausgangslage, sondern darüber hinaus auf ein höheres Niveau (Superkompensation).

Vor zwei Jahren habe ich das HIT das erste Mal ausprobiert. Ich bin mit dem Rad aus der Tiefgarage und habe dann full speed in die Pedale getreten, bis ich nicht mehr konnte. Das waren am Anfang bescheidene 200 m, aber innerhalb von acht Wochen konnte ich das Tempo 2 km  bis zu meiner Praxis durchziehen. Sie können es auch mit einem Sprint zu Fuß ausprobieren, sie werden erstaunt sein, wie schnell die Wegstrecke unter Volldampf  sich verlängert.

Das Training bei Mitterlehner folgt auch diesem Konzept. An einem Gerät werden die Muskeln mit dem schwersten Gewicht, das man stemmen kann, belastet bis zur Erschöpfung. Dann ist man fertig, und geht ans nächste Gerät. Vorteile: dauert nicht lang, man ist nur 90 bis 180 Sek. im Gerät, zudem fallen ja Serien und damit auch die Pausen weg. Die Geräte, die immer zweifach vorhanden sind, sind deshalb auch fast immer frei, es entstehen keine Wartezeiten.

Als bildliches Beispiel für diese Trainingsidee führt Mitterlehner die Löwen an, die eigentlich 20 Stunden am Tag herumliegen, verdauen und dösen, dennoch aber muskelbepackt sind wie Schwerathleten, ohne das man bei ihnen jemals extensives Ausdauer- oder Krafttraining beobachtet hätte. Wenn sie jedoch aktiv sind, bei der Jagd oder im Kampf mit anderen Löwen, dann mit 150 % Vollkrafteinsatz in kürzesten Zeitspannen.

Trainingsverlauf:

In den ersten drei Trainingseinheiten arbeitet ein Trainer mit Ihnen den Trainingsplan aus, und weist Sie in die Gerätebedienung ein. Im zehnten Training geht der Coach noch mal mit, um zu sehen, ob die Bewegungsabläufe und die Ausgangs- und Endstellungen stimmen. Sie können sich auch in jeder Trainingseinheit Rat und Unterstützung von den Trainern holen.

Den ausgearbeiteten Trainingsplan sollte man in einer halben Stunde schaffen, zwei mal die Woche, das genügt. Ist nach einer Eingewöhnungsphase, in der man noch Zeit verliert, bis man alle Trainingsgeräte findet und sie richtig einstellt, auch nach ein paar Wochen in 30 Minuten zu schaffen.

Ich habe mein Training auf acht Geräte begrenzt, die grob meine Defizite abdecken. Nachdem aber ein Trainingsplan spätestens alle Viertel Jahre verändert werden sollte, lernt man sicher den ganzen Gerätepark im Laufe der Zeit kennen.

Ein gravierender Kritikpunkt bei den Geräten: die Hebel zum Einstellen der Sitzfläche, Lehne, Höhe, etc. sind immer auf der gegenüberliegenden Seite der Skala, so daß man sich ein bißchen verwinden und verbiegen muß, teilweise rundbuckeln über dem Sitz, um auf der einen Seite die Skala im Auge zu haben und auf der anderen Seite den Hebel zu bedienen, sehr umständlich. Eine Skala auf beiden Seiten wäre da geschickter. Habe deshalb auch nachgefragt, aber der amerikanische Hersteller liefert nur so, nachträglich eine Skala bds. anzubringen ändert nichts, da der Metallstift, der auf die Skala zeigt, nur auf der Seite der Skala angebracht ist. Sonst sind die Geräte einfach gehalten und bedienerfreundlich, einzig das Gerät (G5) zur Stärkung der Nackenmuskulatur durch eine Überstreckung der Halswirbelsäule gegen Gewicht am Hinterkopf, ist komplett unphysiologisch. Da würde ich abraten, es sei denn, man nutzt es ausschließlich isometrisch. Hier gibt es eigentlich ein gutes Gerät aus der Dr. Wolff-Serie (Cervex 506), mit dem man den Schub am Hinterkopf horizontal gleitend nach hinten ausüben kann, Kinn Richtung Kehlkopf gezogen. Dabei erfolgt eine physiologische Aufrichtung der HWS und des Oberen Kopfgelenks, und die schwache vordere Halsmuskulatur wird trainiert. Immerhin hat Mitterlehner auch mehrere Dr. Wolff Geräte, vielleicht steht es demnächst auch in seinen Studios.

Körperliche Veränderungen:

Nach 20 Trainingseinheiten á 30 Minuten in 10 Wochen vom 18. Juni bis zum 21. August 2015 zeigten sich bei mir folgende Veränderungen:

Spürbare Verbesserung der geraden Bauchmuskulatur, obwohl ich nach dem 3. Training bereits mit 50 Pfund Belastung mein Limit erreicht hatte, und auf diesem Wert bis heute hängen geblieben bin. Bauchmuskelübungen sind immer eine Quälerei, deshalb ist der Tipp von Mitterlehner, das Training mit dem unangenehmsten Gerät zu beginnen, wirklich hilfreich, die größte Schinderei ist dann weg. Ich belohne mich dann gleich mit der Beinstemme ( B6 ) , denn bei ihr macht es mir sogar Spaß, mich bis zum Anschlag zu verausgaben.

Weiters erfolgte eine sehr deutliche Zunahme der schrägen Bauchmuskulatur, was sich auch im Profil und in der Frontalansicht des Bauches optisch ganz gut macht. Die Rotation der Wirbelsäule im Bauchmuskel-Gerät F2 sollte allerdings auf die Brustwirbelsäule begrenzt werden, da die Gelenkflächen der Wirbelgelenke in der Lendenwirbelsäule senkrecht aufeinander stehen, deshalb auch nicht rotieren können.

Eine erstaunlich schnelle Steigerung des Kraftwiderstandes zeigte sich bei der Beinmuskulatur, zu Beginn 160 Pfund, nach 20 Trainingseinheiten 400 Pfund!! Die Gewichtsplatten sind in Pfund eingeteilt, da man aber automatisch eher Kilos im Hinterkopf hat, fühlt man sich großartig, wenn man die Platten auf 400 einstellt und erfolgreich wegstemmen kann.

Rücken: hier mußte ich beim Rückenstreckergerät F3 den Winkel der Startposition in sehr starker Vorbeuge des Rumpfes reduzieren, da ich die untersten zwei Wirbelgelenke und den thorakolumbalen Übergang zu Beginn der Bewegung nicht sauber stabilisieren konnte. Mit reduziertem Ausgangswinkel von 60 ° gab es dann kein Problem in der Startphase der Rückenstreckung, wie ich auch allgemein raten würde, bei Rückenstrecker-Geräten mit Gewicht und Startposition eher zurückhaltend zu beginnen. Immerhin konnte ich auch dort eine überraschend schnelle Steigerung der zu bewältigenden Gewichte feststellen, von anfangs 120 auf zuletzt 200 Pfund.      .

Auch bei Lat-Zug und Dips konnte ich das ursprüngliche Gewicht um 100% steigern, es gibt aber auch Geräte wie z.B. D6 (für Brust- und hintere Oberarmmuskulatur), bei denen ich seit der 10. Trainingseinheit bei 160 Pfund stehe. Es wäre aber falsch den Erfolg des Trainings an der Zahl der Gewichtsplatten fest zu machen, denn zumeist ist nicht das Wachstum des Muskelquerschnitts das Ziel, sondern die Kraftausdauer.

Bei reinem Krafttraining kommt es natürlich zu einer Verschlechterung der allgemeinen Ausdauer, da jetzt mehr Muskelfasern bei gleichgebliebener Anzahl der Arterien im Muskel, mit Sauerstoff versorgt werden müssen.

Aber Mitterlehner bietet auch modernste Ausdauergeräte, die klassischen, wie Ergometer, Sitzfahrrad und Cross-Trainer, aber auch außergewöhnliche, wie den Stepper „OctaneFitness lateral“ mit variabler, in sanften Stufen veränderbarer, Seitwärtsbewegung der Beine wie beim Inlineskaten.  Interessant ist auch der „Cybex-Arc-Trainer“, eine Hybridform aus Crosstrainer und Stepper, der eine schwingende, bogenförmige Aufwärtsbewegung der Beine führt, die im Alltagsbewegungsspektrum so nicht vorkommt. Durch eine sanfte Hydraulik kann man den Anstiegswinkel selbst in kleinen Stufen von „Ebene“ über „Hügel“ zu „Berg“ steigern. Für einen knackigen Po ist das Berglevel am effektivsten, da der Glutaeus maximus hier seine höchste Aktivität zeigt. Sie können daheim mal in die Hocke gehen, soweit es die Knie erlauben, und dann aus der Hocke aufspringen, in der Startphase hat der große Po-Muskel die höchste Arbeitsintensität, sobald aber das Becken höher steht als die Knie, ist er schon schlaff und läßt die Oberschenkelmuskulatur den Rest machen.

Wer zur Kraft auch die Ausdauer verbessern will, kann also auch zweimal Kraft und einmal Ausdauer in der einen, und zweimal Ausdauer und einmal Kraft in der folgenden Woche trainieren, und das HIT-Prinzip auch an den Ausdauergeräten testen, eine Rund-Um-Fitness sozusagen.

 

Ich möchte abschließend ausdrücklich betonen, daß ich keinerlei Vergünstigungen, Gratisprodukte oder –dienstleistungen von Mitterlehner erhalten habe, erhalte, oder erhalten werde (wie Franz Beckenbauer bei Gazprom z.B.) Der Bericht ist objektiv, das Training hat mich in der Eigenerfahrung überzeugt, so dass ich es meinen Patienten guten Gewissens empfehlen kann.

B. Schweighart